14. VERANSTALTUNG AM 13.11.2025
Themenjahr 2025 „Gesellschaft und Klima in neuer Zeit“
Zum Abschluss unseres Themenjahres nahmen wir die konkrete Umsetzung in den Blick
und diskutierten, wie wir unter dem Leitbegriff „Urbane Resilienz“ Klimaschutz und -anpassung
mit der Stärkung des zivilgesellschaftlichen Engagements zusammendenken können.
Zentral war die Frage, wie Stiftungen dazu beitragen können, urbane Resilienz im Ruhrgebiet zu entwickeln und zu stärken – verstanden als Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels, als aktiver Klimaschutz und als Förderung von sozialem Zusammenhalt.
Zu Gast waren wir in den sonnigen Räumen des Eventcenters der GLS Bank in Bochum.
Ein besonderer Dank gilt der GLS Treuhand, Gastgeberin und engagiertes Mitglied im Lenkungskreis des Netzwerks.
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Impressionen der 14. Veranstaltung im Eventcenter der GLS Bank






Neue Formate im Stiftungsnetzwerk Ruhr ab 2026


Gestalten. Vernetzen. Wirkung entfalten.
Ab 2026 startet das Stiftungsnetzwerk Ruhr mit zwei neuen Austauschformaten, die den Dialog und die Zusammenarbeit im Netzwerk stärken – getragen vom Engagement unserer Mitgliedsstiftungen.
Lunch-Talks
Kurz. Digital. Inspirierend.
Mitgliedsstiftungen laden zu einem virtuellen Mittagstalk (zwischen 12 und 14 Uhr) ein – moderiert von der Ehrenamt Agentur Essen.
In 45 bis 60 Minuten stellen Gastgeber:innen aktuelle Themen, Projekte oder Best Practices vor und stoßen so den Austausch im Netzwerk an.
SNR auf Tour – Projekte suchen Partner
Kooperationen starten. Wirkung entfalten.
In kleinen Gruppen besuchen wir Projekte und Stiftungen in der Region, die neue Partner:innen suchen oder gute Praxis zeigen wollen. Gastgeber:innen können Mitgliedsstiftungen, kommunale Stellen oder zivilgesellschaftliche Organisationen sein.
Dauer: max. 90 Minuten.
Die Ehrenamt Agentur Essen unterstützt bei Organisation, Anmeldung und Bewerbung. Sprechen Sie uns an!
Umwelt- und Klimaschutz als Aufgabe für jede Stiftung
Impuls von Hermann Falk, Vorstandsmitglied der GLS Treuhand

Der Klimawandel gilt als „Mutter aller Krisen“ – mit messbaren Folgen auch in Nordrhein-Westfalen: Die Durchschnittstemperaturen sind seit 1881 um 1,6 Grad gestiegen, tropische Nächte nehmen zu, und längere Starkregenereignisse treten häufiger auf.
In seinem Impuls betonte Hermann Falk, dass Stiftungen angesichts dieser Entwicklungen nicht nur Beobachterinnen, sondern aktive Mitgestalterinnen des Wandels sein sollten. Als Teil einer wehrhaften Demokratie tragen sie Verantwortung für die Zukunft und sind durch das Grundgesetz auf das Gemeinwohl verpflichtet.
Falk verwies auf zentrale Grundsätze des modernen Stiftungsverständnisses:
-
Demokratisch und zukunftsfähig handeln: Stiftungen wirken aktiv an der Weiterentwicklung des Gemeinwesens mit.
-
Wandel gestalten: Sie eröffnen Chancen, damit möglichst viele Menschen vom gesellschaftlichen und technologischen Wandel profitieren.
-
Nachhaltig wirtschaften: Im Sinne der Agenda 2030 und des Pariser Klimaabkommens setzen sich Stiftungen für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ein.
Auch rechtlich, so Falk, sei Engagement im Umwelt- und Klimaschutz möglich, selbst wenn der Satzungszweck dies nicht ausdrücklich nennt – etwa wenn Bildungs-, Sport- oder Sozialstiftungen Projekte mit erkennbarem Bezug zur Nachhaltigkeit fördern.
Sein Fazit: Klimaschutz ist eine Querschnittsaufgabe, der sich jede Stiftung stellen kann und sollte – im Rahmen ihrer Möglichkeiten und mit Blick auf kommende Generationen.
Keynote von Prof. Dr. Uwe Schneidewind, ehem. Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal
„Urbane Resilienz umsetzen – Bericht aus der Praxis“

Urbane Resilienz in Zeiten der Dauerkrise
Prof. Dr. Uwe Schneidewind, renommierter Wirtschaftswissenschaftler, Mitglied des Club of Rome und ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, sprach in seiner Keynote über die Herausforderungen und Chancen kommunaler Transformationsprozesse in Zeiten multipler Krisen. Mit einem ehrlichen Blick auf seine Amtszeit beschrieb er, wie politische Führungsaufgaben heute zunehmend vom Reagieren und Krisenmanagement geprägt sind – in einem gesellschaftlichen Klima, das von Polarisierung und Misstrauen gekennzeichnet ist.
Kommunale Transformation braucht neue Wege
Kommunalpolitik und Verwaltung stehen unter enormem Druck: knappe Kassen, soziale Ungleichheit und das wachsende Gefühl eines „Staatsversagens“ gefährden das Vertrauen in die Demokratie. Bekannte Handlungsmuster greifen nicht mehr, so Schneidewind – es brauche ein tiefes Systemverständnis, kreative Ansätze und den Mut, neue Wege zu erproben.
Er plädierte für das Schaffen von „Inseln des Gelingens“ – experimentelle Orte, an denen innovative Ansätze erprobt werden können, ohne sofort das gesamte System verändern zu wollen. Solche Projekte sollten als „positive Akupunkturpunkte“ wirken, die punktuell Impulse setzen und langfristig Veränderungsprozesse verdichten.
Die Rolle der Stiftungen im gesellschaftlichen Wandel
Stiftungen, so Schneidewind, haben in diesem Prozess eine besondere Verantwortung. Sie verfügen über unabhängige Ressourcen, die sich jenseits staatlicher Regularien und kurzfristiger politischer Zwänge einsetzen lassen. Ebenso wichtig sei ihre gesellschaftliche Legitimation: Durch ihre Verankerung in der Stadtgesellschaft – etwa über Kuratorien – genießen Stiftungen Vertrauen und Anerkennung über verschiedene gesellschaftliche Lager hinweg.
Er appellierte an die Stiftungen, diese Ressourcen strategisch zu nutzen:
- durch mutige Förderentscheidungen,
- durch den gezielten Ausbau und die aktive Gestaltung ihrer Kuratorien mit relevanten Akteur:innen,
- und durch eine verantwortungsvolle Kommunikationsarbeit, die sensibel auf gesellschaftliche Spannungen reagiert und Polarisierung entgegenwirkt.
Das Ruhrgebiet als Reallabor für Deutschland 2045
Besonders im Ruhrgebiet sieht Schneidewind ein enormes Potenzial: Mit seiner sozialen und kulturellen Vielfalt sei es das „Reallabor für Deutschland 2045“. Hier entscheide sich, ob es gelingt, demokratiefeindlichen Tendenzen entgegenzutreten, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und Themen wie Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit zu verbinden.
Er rief dazu auf, neue Kooperationen mit der dichten Hochschullandschaft im Ruhrgebiet zu suchen und Stiftungsarbeit kontinuierlich weiterzuentwickeln – mit Mut, Kreativität und einem klaren Bewusstsein für die kommunikative Verantwortung.
Zum Abschluss betonte Schneidewind die Bedeutung des Stiftungsnetzwerks Ruhr als Ort der Verdichtung und Vernetzung, an dem genau diese dezentralen Impulse zusammenlaufen und so nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel ermöglichen können.

Interaktive Panel-Diskussion
„Urbane Resilienz – Klima schützen und sich fit machen für die Anpassung.
Wie kann das gelingen?“



Wie Städte widerstandsfähiger gegenüber Klimafolgen werden können, diskutierten Vertreter:innen aus Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft.
Niels Kramwinkel, Leiter der Stabsstelle Klima und Nachhaltigkeit der Stadt Bochum, stellte die neue umsetzungsorientierte Nachhaltigkeitsstrategie vor, die 200 konkrete Maßnahmen umfasst. Beispiele wie die Rigolen an der Hattinger Straße zeigen, wie Bochum zur Schwammstadt werden will. Kramwinkel betonte, dass Resilienz engagierte Menschen brauche – und mehr Kooperationen zwischen Kommunen und Stiftungen. Eine Herausforderung sei es, Partikularinteressen zu vereinen und positive Zukunftsbilder zu vermitteln, etwa wenn aus Parkplätzen grüne Flächen werden.
Dirk Kannacher, Vorstandsmitglied der GLS Bank, hob hervor, dass Haltung und Kommunikation entscheidend seien. Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung brauche es positive Erzählungen über bereits Erreichtes. Stiftungen könnten als verbindendes Element zwischen Kapitalgebern und Engagierten wirken und soziale wie ökologische Themen zusammenbringen. Er plädierte für langfristige Förderung sozial-ökologischer Projekte und Startups statt kurzfristiger Anschubfinanzierung.
Veronika Nickl, Vorstandsvorsitzende des Ernährungsrats EssBO!, zeigte auf, wie urbane Resilienz auch durch Ernährung und Bildung entsteht. Ihr Verein schafft mit Projekten wie den „Naschorten“ entlang der Ruhrtalradwege und neuen Gemeinschaftsgärten Orte der Begegnung, des Lernens und der Teilhabe. Diese ehrenamtlichen Initiativen fördern Umweltbewusstsein und soziale Integration gleichermaßen.
Das Fazit: Urbane Resilienz gelingt, wenn Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam handeln – mit Mut zu Experimenten, langfristigem Denken und positiver Kommunikation.
Parallele Workshops: Drei Perspektiven auf urbane Resilienz
Nach einer kurzen Mittags- und Vernetzungspause wurden die Themen des Vormittags in drei parallelen Workshops vertieft. Aufbauend auf die Impulse aus dem Panel zur urbanen Resilienz boten sie Raum für praxisnahe Einblicke, fachlichen Austausch und konkrete Ansätze, wie Klimaschutz, Anpassung und nachhaltiges Handeln gemeinsam gestaltet werden können – in der Stadt, in Stiftungen und durch verantwortungsvolle Geldanlagen.
Workshop/Exkursion: „Bochum ist Schwammstadt –
Ein Besuch bei den Rigolen in der Hattinger Straße“
Niels Kramwinkel, Leiter der Stabsstelle Klima und Nachhaltigkeit, Stadt Bochum
Wie kann eine Stadt Regenwasser speichern, Hitze reduzieren und das Mikroklima verbessern? Bei dieser Exkursion erklärte Niels Kramwinkel das innovative Mulden-Rigolensystem an der Hattinger Straße – ein zentrales Element der Bochumer Schwammstadt-Strategie. Die Anlage zeigt, wie Regenwasser in begrünten Mulden gesammelt, gefiltert und in unterirdische Rigolen geleitet wird, um anschließend gedrosselt in den natürlichen Wasserkreislauf zurückzufließen.
Kramwinkel betonte, dass solche Lösungen nur im Zusammenspiel von Verwaltung, Zivilgesellschaft und Stiftungen gelingen. „Resilienz braucht Menschen, die sich engagieren“, so sein Fazit.


Workshop: „Stiftungswirken in der Vermögensanlage“
Jörg Braun und Paula-Felline Geyer, Vermögensmanagement und Stiftungsbetreuung, GLS Bank


Wie kann Geldanlage wirksam zum Stiftungszweck beitragen? In diesem Workshop zeigten die Expert:innen der GLS Bank, dass nachhaltige Investments ein zentraler Hebel für Klimaschutz und gesellschaftliche Verantwortung sind. Sie erläuterten und diskutierten mit den Teilnehmenden Logiken, Fallstricke und Chancen nachhaltiger Anlagestrategien und luden zum Austausch über Erfahrungen im Netzwerk ein.
Viele Teilnehmende nahmen als Impuls mit, ihre Anlagerichtlinien kritisch zu prüfen – um Wirkung nicht nur durch Projekte, sondern auch durch Kapital zu entfalten.
Workshop „Mutige Bildung für Engagement und sozialen Zusammenhalt “
Dr. Kristin Behnke, Bildungsreferentin, Zukunftsstiftung Bildung
Im Workshop „Mutige Bildung für Engagement und sozialen Zusammenhalt“ stand die Frage im Zentrum, was junge Menschen heute brauchen, um in einer komplexen Welt resilient, handlungsfähig und zuversichtlich zu bleiben.
Auf Basis psychologischer und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse wurde gezeigt, wie Resilienz entsteht – individuell wie kollektiv – und warum sichere Beziehungen, Partizipation und Sinnorientierung dafür zentrale Grundlagen sind.
Anhand aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen wurde herausgearbeitet, dass Bildung Räume schaffen muss, in denen Ambiguitätstoleranz, Perspektivwechsel und gemeinschaftliches Handeln eingeübt werden können.
In einer kooperativen Arbeits- und Austauschphase reflektierten die Teilnehmenden im Anschluss eigene Erfahrungen, identifizierten Herausforderungen und entwickelten Ideen für resiliente sowie zukunftsfähige Bildungs- und Unterstützungsansätze im Ruhrgebiet.


Impressionen



