15. VERANSTALTUNG AM 28.05.2026

Themenjahr 2026 „Kultur und Begegnung“
Zum Auftakt unseres Themenjahres kamen wir in Herdecke zusammen,
um die gesellschaftliche Kraft von Kultur in den Blick zu nehmen
und ihren Beitrag zu Zusammenhalt, Teilhabe und Zukunftsfähigkeit im Ruhrgebiet zu diskutieren.

Wie ein roter Faden zog sich dabei die Frage durch Vorträge, Gespräche und Diskussionen,
welche Rolle die Stiftungen der Region bei der Gestaltung dieser Entwicklungen spielen können.

Unser besonderer Dank gilt der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung,
die uns als Gastgeberin im Werner Richard Saal herzlich willkommen hieß und den passenden Rahmen für den Austausch schuf.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Kooperationspartner der Veranstaltung

Logo der Ehrenamt Agentur Essen

Impressionen der 15. Veranstaltung imWerner Richard Saal

Neue Mitglieder im Stiftungsnetzwerk Ruhr

Das Stiftungsnetzwerk Ruhr wächst weiter: Mit der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung und der Max und Gustav Born Stiftung für Bildung konnten zwei weitere engagierte Stiftungen als Mitglieder begrüßt werden. Damit umfasst das Netzwerk nun 96 Stiftungen, die sich gemeinsam für Austausch, Zusammenarbeit und mehr gesellschaftliche Wirkung im Ruhrgebiet einsetzen.

Die Mitgliedsurkunden wurden von David Höltgen (Wilo-Foundation) und Michelle Grabutznat (E.ON Stiftung) überreicht. Entgegengenommen wurden sie von Sonja Leidemann (Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung) und Simone Holl (Max und Gustav Born Stiftung für Bildung).

Wir freuen uns auf neue Impulse, spannende Kooperationen und die gemeinsame Weiterentwicklung des Stiftungsnetzwerks Ruhr. Interessierte Stiftungen sind herzlich eingeladen, Teil des Netzwerks zu werden.

Keynote von Lydia Steier, Regisseurin und designierte Intendantin der Ruhrtriennale
„The Fatness – Warum Kultur mehr sein muss als vernünftig“

In ihrer Keynote skizzierte Lydia Steier, designierte Intendantin der Ruhrtriennale, ihre Vision einer Kultur, die weit über den reinen Konsum von Kunst hinausgeht. Kunst solle echte Begegnungen ermöglichen – emotional, überraschend, irritierend und gemeinschaftlich. „Kunst schafft Begegnung, wenn sie Bedingungen schafft – für Aufmerksamkeit, für Neugier, für Staunen, für Reibung.“ Begegnung bedeute dabei nicht nur Harmonie, sondern auch das gemeinsame Erleben von Unterschiedlichkeit und neuen Perspektiven.

Steier plädierte für eine Kultur, die zugänglich ist, ohne ihren Anspruch zu verlieren. Menschen müssten nicht vorbereitet sein oder die kulturellen „Codes“ kennen, um teilhaben zu können. Zugänglichkeit bedeute nicht Vereinfachung, sondern die Einladung zu großer, mutiger und komplexer Kunst. Mit dem Begriff „The Fatness“ beschreibt sie eine künstlerische Haltung voller Sinnlichkeit, Großzügigkeit und Fülle – als Gegenentwurf zu einer glatten, sterilen und übervorsichtigen Kultur.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Ausführungen war die Rolle der Stadtgesellschaft. Menschen seien keine Zielgruppen, die es zu erreichen gelte, sondern Gäste, Mitdenkende und Mitgestaltende. Teilhabe müsse deshalb bereits im künstlerischen Denken beginnen und dürfe nicht erst als Vermittlungsangebot an fertige Produktionen angehängt werden.

Zugleich warb Steier für ein neues Verständnis von Wirkung in Kultur und Förderung. Wirkung lasse sich nicht allein an Besucherzahlen oder Veranstaltungsstatistiken messen. Sie entstehe auch dort, wo Menschen erstmals Zugang zu kulturellen Räumen finden, miteinander ins Gespräch kommen, wiederkehren und langfristige Beziehungen aufbauen. Dafür brauche es Zeit, Vertrauen und Kontinuität statt kurzfristiger Projektlogiken.

Als Leitbild für ihre Intendanz formulierte sie die Vision einer „radikal gastfreundlichen und radikal lebendigen Festivalwelt“. Die Ruhrtriennale solle ein Ort sein, an dem Menschen willkommen sind, ohne dass Kunst an Tiefe verliert – offen, anspruchsvoll, sinnlich und voller Neugier auf Begegnungen. „Begegnung wächst nicht im Projektmodus.“ Mit diesem Appell unterstrich Steier die Bedeutung langfristiger kultureller Entwicklung und nachhaltiger Förderung.

Kulturbeitrag des Duos Anouchka und Katharina Hack

Was für ein eindrucksvoller kultureller Auftakt bei der 15. Veranstaltung des Stiftungsnetzwerks Ruhr in Herdecke!
Im Werner Richard Saal begeisterten die Schwestern Anouchka und Katharina Hack mit einem außergewöhnlichen Konzert für Cello und Klavier.

Auf Einladung der Wilo-Foundation – Mitglied unseres Lenkungskreises – erlebten die Teilnehmenden ein international gefeiertes Duo, das mit großer musikalischer Leidenschaft und beeindruckender Harmonie auftrat. Kein Wunder: Die beiden Schwestern musizieren seit ihrer Kindheit gemeinsam und verstehen sich auf der Bühne nahezu blind.

Mit Gaspar Cassadós „Requiebros“ und Marina Baranovas „Alle Menschen werden Schwestern“ setzten sie einen besonderen Akzent, der perfekt zum Geist unserer Veranstaltung passte. Gerade das Stück „Alle Menschen werden Schwestern“ steht für Zusammenhalt, Verbundenheit und die Kraft des Miteinanders – Werte, die auch das Stiftungsnetzwerk Ruhr prägen.

Unser herzlicher Dank gilt der Wilo-Foundation für dieses besondere Konzerterlebnis und Anouchka und Katharina Hack für einen musikalischen Moment, der noch lange nachklingen wird.

Parallele Thementischen

In vier Thementischen diskutierten die Teilnehmenden zentrale Fragen rund um Kultur, Begegnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt im Ruhrgebiet. Im Fokus standen die Zukunft der regionalen Kulturförderung, die Potenziale der Manifesta 16 Ruhr, Community Music als Instrument kultureller Teilhabe sowie die Wirkung kultureller Bildung am Beispiel der JugendKulturWerkstatt Hörde. Dabei wurde deutlich: Nachhaltige Wirkung entsteht durch langfristige Beziehungen, Vertrauen, Beteiligung und starke Kooperationen zwischen Kultur, Zivilgesellschaft und Stiftungen.

Thementisch: Regionale Kulturstrategie Ruhr ab 2026
Was bleibt von der Kulturhauptstadt 2010, und wie lässt sich darauf aufbauen?

Dr. Miriam von Gehren und Regina Weidmann, Team Kultur im Referat Kultur, Sport und Industriekultur (RVR)

Im Thementisch zur Regionalen Kulturstrategie Ruhr stand die Frage im Mittelpunkt, wie Kulturförderung nachhaltiger gestaltet werden kann – über einzelne Projekte hinaus. Diskutiert wurden unterschiedliche Förderansätze, von der klassischen Projektförderung bis hin zu langfristigen Prozess- und Strukturförderungen. Einigkeit bestand darin, dass nachhaltige kulturelle Entwicklung vor allem Zeit, Planungssicherheit und verlässliche Partnerschaften benötigt.

Als wichtige Voraussetzung für langfristige Wirkung wurde die enge Zusammenarbeit mit den Communities genannt, die von Kulturprojekten erreicht werden sollen. Kulturförderung müsse Menschen nicht nur adressieren, sondern sie aktiv einbeziehen. Gleichzeitig wurde betont, dass viele gesellschaftliche Herausforderungen an den Schnittstellen verschiedener Bereiche entstehen. Deshalb sollten Kulturprojekte stärker mit anderen Handlungsfeldern wie Stadtentwicklung, Infrastruktur oder Bildung verknüpft werden. Auch Stiftungen und öffentliche Fördergeber seien gefordert, stärker gemeinsam und ressortübergreifend zu denken.

In der Diskussion wurde zudem deutlich, dass nachhaltige Förderung Offenheit für Veränderungen und ausreichend Flexibilität benötigt. Langfristige Wirkung lasse sich nur erzielen, wenn Projekte die Möglichkeit erhalten, sich weiterzuentwickeln und auf neue Rahmenbedingungen zu reagieren. Als konkrete Idee entstand der Vorschlag, gemeinsam einen stiftungsübergreifenden Förderfonds für Kulturprojekte im Ruhrgebiet aufzubauen. Durch gebündelte Ressourcen könnten größere Vorhaben ermöglicht und langfristige Entwicklungen besser unterstützt werden.

Der Austausch machte deutlich, dass die Zukunft der Kulturlandschaft im Ruhrgebiet nicht allein von einzelnen Projekten abhängt, sondern von tragfähigen Strukturen, Kooperationen und einer Förderung, die langfristige gesellschaftliche Wirkung in den Blick nimmt.

Thementisch: Manifesta 16 Ruhr – Wie nutzt man leerstehende Räume für die Kultur?

Stefan Kuczera, Co-Geschäftsführer der Manifesta 16 Ruhr

Der Thementisch zur Manifesta 16 Ruhr beschäftigte sich mit der Frage, wie leerstehende und bislang ungenutzte Räume zu Orten der Begegnung, Kultur und gesellschaftlichen Teilhabe werden können. Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass die Manifesta nicht nur Kunst an besondere Orte bringt, sondern gezielt Bedingungen für Begegnungen schafft – zwischen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Lebensrealitäten.

Die Teilnehmenden sahen zahlreiche Parallelen zu den Gedanken aus der Keynote von Lydia Steier: Kultur kann gesellschaftliche Begegnung fördern, wenn sie öffentliche Räume öffnet und Menschen zusammenbringt, die sich im Alltag oft nicht begegnen. Die Manifesta versteht sich dabei als Impulsgeberin für neue Nutzungen und neue Perspektiven auf bestehende Orte im Ruhrgebiet.

Überraschend war für viele Teilnehmende, dass die Vorbereitungen für die Manifesta bereits seit mehreren Jahren laufen und das Projekt dennoch selbst in Teilen der Stiftungslandschaft noch vergleichsweise wenig bekannt ist. Daraus entstand die Erkenntnis, dass die Kommunikation zwischen großen Kulturprojekten, Förderern und Stiftungen weiter gestärkt werden muss. Netzwerke wie das Stiftungsnetzwerk Ruhr können dabei eine wichtige Brückenfunktion übernehmen und den Austausch zwischen Akteur:innen fördern.

Besonders positiv aufgenommen wurden die umfangreichen Vermittlungs- und Bildungsangebote der Manifesta. Durch die Zusammenarbeit mit Schulen und spezielle Programme für Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere junge Menschen die Möglichkeit erhalten, neue kulturelle Räume kennenzulernen und aktiv zu entdecken.

Der Austausch machte deutlich, dass die Manifesta 16 Ruhr nicht nur als temporäres Kunstereignis verstanden wird, sondern als Chance, langfristige Impulse für die Nutzung von Räumen, die kulturelle Teilhabe und neue Formen der Begegnung im Ruhrgebiet zu setzen. Entscheidend wird sein, wie die entstandenen Netzwerke, Erfahrungen und Orte über das Festival hinaus weiterwirken können.

Thementisch: Best Practice Kulturelle Bildung in Hörde – Was schafft kulturelle Bildung?

Evi Austermann-Fasselt, GrünBau gGmbH
Marco Janiel, Projektleiter der JugendKulturWerkstatt in Hörde

Am Beispiel der JugendKulturWerkstatt in Hörde wurde deutlich, welchen Beitrag kulturelle Bildung für Teilhabe, Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten kann. Die Teilnehmenden erhielten nicht nur Einblicke in die praktische Arbeit vor Ort, sondern konnten selbst erleben, wie niedrigschwellig kulturelle Angebote gestaltet werden können. Dabei wurde deutlich: Kulturelle Bildung beginnt nicht erst bei großen Bühnen oder anspruchsvollen Produktionen, sondern oft mit einfachen kreativen Zugängen, die Menschen ermutigen, sich auszuprobieren und eigene Ausdrucksformen zu entdecken.

In der Diskussion wurde hervorgehoben, dass Stiftungen weit mehr sein können als reine Fördermittelgeber. Neben finanzieller Unterstützung spielen insbesondere Begleitung, Wertschätzung, Netzwerke, Wissen und persönliche Kontakte eine wichtige Rolle. Gerade für junge Menschen sei es oft eine besondere Anerkennung zu erleben, dass ihre Projekte und ihre Kreativität von Stiftungen unterstützt werden.

Ein weiterer zentraler Aspekt war die Bedeutung von Vertrauen. Sowohl zwischen den Teilnehmenden und den Projektverantwortlichen als auch zwischen Förderern und Trägern braucht es langfristige Beziehungen, um nachhaltige Wirkung zu entfalten. Diese Vertrauensbasis entsteht nicht kurzfristig, sondern wächst über die Zeit.

Kulturelle Bildung wurde dabei als wichtiger Schlüssel für Teilhabe beschrieben. Viele Menschen nutzen kulturelle Angebote nicht, weil ihnen der Zugang fehlt oder sie sich diese Räume nicht zutrauen. Niedrigschwellige Formate können hier Brücken bauen, kulturelle Teilhabe ermöglichen und Menschen neue Erfahrungen eröffnen. Gleichzeitig schaffen sie Räume für Begegnung, Mitgestaltung und Selbstwirksamkeit.

Als zentrale Erkenntnis des Thementisches wurde festgehalten: Kulturelle Bildung stärkt Menschen darin, ihre Fähigkeiten zu entdecken, sich einzubringen und gesellschaftliche Teilhabe aktiv zu erleben. Dafür braucht es starke Partnerschaften, langfristiges Vertrauen und Allianzen zwischen Trägern, Stiftungen und weiteren Akteur:innen vor Ort.

Thementisch: Community Music Dortmund
Welche Bedeutung hat kulturelle Teilhabe für den sozialen Zusammenhalt in den Quartieren des Ruhrgebiets?

Dr. Raphael von Hoensbroech, Intendant des Konzerthaus Dortmund
Mika Haasler, Leiterin der Abteilung Community Music und Education

Am Beispiel des Programms Community Music Dortmund wurde diskutiert, welchen Beitrag kulturelle Teilhabe für den gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten kann. Das 2019 vom Konzerthaus Dortmund gestartete Format geht weit über klassische Musikvermittlung hinaus. Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass in jedem Menschen Kreativität und Potenzial stecken und Musik ein wirkungsvolles Mittel sein kann, um Menschen miteinander in Verbindung zu bringen.

Die Teilnehmenden waren beeindruckt von der Reichweite und den bisherigen Erfolgen des Programms. Community Music wurde als ein Ansatz beschrieben, der Begegnung auf Augenhöhe ermöglicht und Menschen nicht belehrt, sondern ihnen Räume eröffnet, in denen sie selbst aktiv werden, sich ausprobieren und Gemeinschaft erleben können. Die Vision des Konzerthauses Dortmund ist es, Community Music langfristig als festen Bestandteil von Musikinstitutionen in ganz Deutschland zu etablieren.

In der Diskussion wurde deutlich, dass solche Ansätze vor allem eines benötigen: Vertrauen. Vertrauen zwischen den Beteiligten entsteht nicht kurzfristig, sondern wächst über Zeit. Entsprechend braucht Community Music langfristige Unterstützung, Geduld und einen „langen Atem“ – sowohl auf Seiten der Projektverantwortlichen als auch der Förderer.

Für Stiftungen wurden dabei mehrere konkrete Rollen sichtbar. Neben finanzieller Förderung können sie Netzwerke öffnen, Kooperationen anstoßen und dabei helfen, geeignete Räume für kulturelle Teilhabe zugänglich zu machen. Besonders wichtig sind Orte, die Menschen bereits kennen und an denen Hemmschwellen geringer sind als in klassischen Kulturinstitutionen. Stiftungen können hier Brücken zwischen Communities, kulturellen Einrichtungen und lokalen Partnern schlagen.

Der Austausch machte deutlich, dass kulturelle Teilhabe dann besonders wirksam wird, wenn sie langfristig angelegt ist, Menschen aktiv einbezieht und dort stattfindet, wo sie sich ohnehin aufhalten. Community Music wurde dabei als überzeugendes Beispiel dafür gesehen, wie Kultur Begegnung fördern und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken kann.

Impressionen